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Warum wir Westwerk neu aufstellen — und es öffentlich tun
Wir bauen Westwerk gerade neu auf — die Außendarstellung, das Geschäftsmodell, die Art, wie wir Projekte machen. Und wir dokumentieren das öffentlich. Hier steht, warum.
Wir bauen unser Unternehmen gerade neu. Nicht aus der Insolvenz heraus, nicht aus einer Krise, nicht weil uns irgendjemand dazu zwingt — sondern weil wir es uns leisten können, ehrlich auf uns selbst zu schauen.
Und weil wir gesehen haben, was wir vorgefunden haben, machen wir das Aufräumen jetzt in aller Öffentlichkeit.
Was Westwerk geworden ist
Westwerk ist eine Agentur, die ihre eigenen Produkte gebaut hat. Log+Key, unsere SaaS-Lösung für Organisationen, die viele physische Gegenstände verwalten, betreut etwa 70 Kund:innen und ist auf dem Weg zu mehr. FleetBench steht vor dem Launch. AeroAlliance ist in der Investitionsphase. Bei den Future Product Days — der Konferenz, die wir mit Westwerk Events aufgebaut haben — sind wir mittlerweile bei einer der renommiertesten Konferenzen Europas in ihrer Kategorie angelangt. Bei kleineren Konferenzen sind wir Co-Veranstalter:innen.
Diese Produkte und Beteiligungen sind unsere Substanz. Wir haben sie über Jahre aufgebaut, mit eigenem Geld, eigener Arbeitszeit, eigener Aufmerksamkeit.
Und genau das ist das Problem.
Was Westwerk vergessen hat
Während wir Log+Key großgezogen, FleetBench gestartet und FPD etabliert haben, hat das Mutterschiff — die Agentur Westwerk selbst — keine Aufmerksamkeit bekommen. Die Außendarstellung ist veraltet. Die Website generiert keine Leads. Die Referenzprojekte sind nicht mehr aktuell. Es gibt keinen Inbound-Funnel, keinen verlässlichen Akquise-Prozess, kein Marketing.
Wir haben treue Kund:innen, für die wir regelmäßig arbeiten. Wir haben gutes Feedback, wenn wir abliefern. Wir haben Substanz — über Jahre gewachsen, in Code, in Beziehungen, in Erfahrung. Aber wir haben das alles nicht mehr sichtbar gemacht. Und der Agentur-Umsatz reicht nicht aus, um unsere Ziele zu erreichen und gleichzeitig die Startups weiter zu finanzieren.
Das ist kein Notstand. Aber es ist auch kein Zustand, den wir noch zwei Jahre mitmachen wollen.
Die zwei Dinge, die wir ändern
Zwei Veränderungen passieren parallel und greifen ineinander:
Wir hören auf, Stunden zu verkaufen. Das klassische Agenturmodell — Zeit gegen Geld, Stundenzettel, Festpreis-mit-versteckten-Über-Stunden — funktioniert für ein 10–15-Personen-Kern-Team nicht mehr. Es erzeugt schiefe Anreize (wer schneller fertig ist, verdient weniger), es lädt Scope Creep ein, und es macht beiden Seiten die Planung schwer. Wir gehen in ein Platform-+-Product-Modell über: produktisierte Services mit transparenten Preisen, bezahlte Konzeptphasen statt kostenloser Angebote, Retainer mit festen Monatsbudgets. Unsere eigenen Produkte (Log+Key, FleetBench) sind der stärkste Beweis dafür, dass wir das können — denn wir haben es mit uns selbst gemacht.
Wir bauen unsere Website neu. Aber nicht als “schönere Visitenkarte”. Sondern als interconnected Knowledge-Plattform — ein Netz aus Inhalten über Technologien, Projekte, Team, Produkte, das die Bandbreite dessen zeigt, was wir tatsächlich machen. Mit einem mehrstufigen Lead-Funnel (Erstgespräch, Kalkulator, bezahlte Konzeptphase). Mit Personen, die sichtbar sind. Mit der Möglichkeit, sehr schnell die Kernaussagen zu erfassen — und in jedes Thema tief hinabzusteigen, wenn man will.
Die Website ist Konsequenz der Neuausrichtung, nicht ihr Anlass. Aber sie ist auch das sichtbare Zeichen — der erste Ort, an dem du als Außenstehende:r merkst, dass sich hier etwas verändert.
Warum öffentlich
Den meisten Aufräum-Arbeiten an Agenturen sieht man nicht zu. Sie passieren intern, hinter geschlossenen Türen, und kommen als fertiger Marketing-Auftritt zurück: neue Website, neues Logo, neuer Claim, schöner Launch-Post auf LinkedIn.
Wir machen das anders. Und zwar aus drei Gründen.
Der erste Grund ist methodisch. Wir wollen automatisierte Dokumentation als Querschnittswerkzeug aufbauen — KI, die mitschreibt, was wir tun, was wir entscheiden, was wir lernen. Diese Dokumentation entsteht ohnehin, weil sie für uns intern wertvoll ist. Wenn wir sie ohnehin haben, können wir sie auch öffentlich machen — in einer geeigneten Form. Das macht den Build-in-public nicht zur Zusatzarbeit, sondern zum Nebeneffekt von ordentlicher interner Arbeit.
Der zweite Grund ist marketing-strategisch. Wir glauben, dass Menschen Agenturen nicht aus Awards-Listen wählen, sondern weil sie eine Vorstellung davon haben, wie es ist, mit dieser Agentur zu arbeiten. Eine fortlaufende Geschichte — was haben wir uns letzte Woche überlegt, was hat funktioniert, was nicht — vermittelt das besser als jeder Claim. Und sie zieht die Menschen an, die genau zu unserer Arbeitsweise passen. Kund:innen wie Bewerber:innen.
Der dritte Grund ist ehrlich: wir wollen den Druck. Wenn alle wissen, woran wir arbeiten, gibt es kein bequemes Versanden. Wenn wir öffentlich erklärt haben, was wir versuchen, wird das Versuchen verbindlich.
Was du in den nächsten Wochen hier lesen wirst
Wir haben gerade eine Konzeptphase abgeschlossen — für unsere eigene neue Site. Wir haben:
- die Strategie verdichtet, die hinter all dem steht,
- die Informationsarchitektur entworfen,
- die Content-Säulen festgelegt,
- die Design-Sprache umrissen (mit einer ehrlichen Liebeserklärung an unser Pong-Easter-Egg, mehr dazu in einem späteren Artikel),
- den Tech-Stack gewählt (Astro, Cloudflare, EU-Hosting, cookielose Analytics — wir bauen, was wir auch unseren Kund:innen empfehlen),
- den Lead-Funnel mit Kalkulatoren und bezahlter Konzeptphase ausgearbeitet,
- den Plan für die nächsten drei Monate verteilt auf sechs Meilensteine.
Und wir haben festgelegt, dass jedes interne Projekt von jetzt an aus zwei Blickwinkeln dokumentiert wird: einmal formal, mit Entscheidungs-Logs und Fortschrittsberichten — und einmal als Erzählung, die wir veröffentlichen.
Was hier in den nächsten Wochen erscheint:
- Wir verkaufen keine Stunden mehr. Wie das neue Geschäftsmodell aussieht und was sich für unsere Kund:innen ändert.
- Was eine Konzeptphase wert ist — und warum sie 2 Tage kostet. Über kostenlose Angebote, ihre versteckten Kosten und warum wir das nicht mehr machen.
- Wir bauen unsere Website mit Claude. Die ersten Lektionen aus dem Vibe-Coding-Setup.
- Was nach dem Launch kommt. Unser Lead-Funnel-Versprechen — und woran wir uns messen lassen werden.
Vier Artikel über vier Wochen, dann ein Launch — und danach mindestens ein Artikel pro Woche, in dem wir berichten, was funktioniert hat und was nicht.
Was du tun kannst, wenn dich das interessiert
Wenn du als Auftraggeber:in, als Partner:in oder als möglicher Teil unseres Teams hier mitliest und etwas davon zu dir passt — schreib uns einfach. Wir reden ohnehin lieber mit Menschen, die uns mögen, weil sie verstehen, wie wir arbeiten, als mit Menschen, denen wir uns erklären müssen.
Und wenn du nichts davon brauchst — auch gut. Wir schreiben das hier sowieso. Vielleicht liest du in einem Jahr trotzdem mal rein. Bis dahin: hoffentlich bauen wir bis dahin etwas, das es wert ist.
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Alle Artikel →Wir bauen unsere Website mit Claude. Die ersten fünf Lektionen.
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